MY DEGENERATION

Christoph Voy

CHRISTOPH VOY: MY DEGENERATION
Snapshots from the Underground

Vernissage Samstag 14. November von 18:00 bis 20:00 Uhr
Ausstellungsdauer 14. November bis 9. Januar 2027

 

Die Nacht ist kein schöner Ort. War sie nie. Christoph Voy hat sie fotografiert. Clubs, Musiker, verschwitzte Gesichter, kaputte Nächte, ein bisschen Ruhm und ziemlich viel Leben. Seit 25 Jahren sammelt er die Momente, in denen die Risse zur Fassade werden.

Für „My Degeneration“ wurden diese Bilder als Transferprints auf lackiertes Papier gejagt. Verschoben, zerkratzt, fehlerhaft. Manche gehen dabei ein bisschen kaputt. Gut so. Denn perfekte Bilder gibt es schon genug. Diese hier haben gelebt.

 

Vergiss die Hochglanzfotografie. Christoph Voy will nicht, dass du Abstand hältst.

Er geht dahin, wo es laut wird. Wo Menschen feiern, schwitzen, posieren, abstürzen, provozieren und für einen kurzen Moment Komplize der Kamera werden die auf sie gerichtet ist.

 

Seit rund 25 Jahren fotografiert Christoph Voy Musiker, Künstler, Schauspieler, Models und Menschen aus einer Welt, die sich nicht einfach erklären lässt: die Nacht. Berlin. Clubs. Konzerte. Backstage. Rap. Rock’n’Roll. Mode. Popkultur. Seine Bilder sind keine höflichen Porträts. Sie sind Begegnungen.

Voy wurde 1971 in West-Berlin geboren, studierte Fotografie an der FHTW Berlin und tauchte schon während des Studiums in die Berliner Club- und Musikszene ein. Aus grobkörnigen Schwarz-Weiss-Aufnahmen und Doppelbelichtungen entwickelte sich eine Bildsprache, die gleichermassen von Jazzfotografie, Gonzo-Journalismus und anarchischen Energie geprägt ist. Später wurde Voy Mitgründer der deutschen VICE Ausgabe und damit fast 10 Jahre Teil der deutschen VICE-Ära, arbeitete 2 Jahre als Moderedakteur für SPEX und fotografierte für Magazine wie Rolling Stone, Monopol, Stern, Musikexpress und INTRO.

 

Doch Voy fotografiert nicht einfach Menschen. Er geht ihnen auf die Pelle. Der Tagesspiegel beschrieb seine Fotografien einmal als Bilder mit „Faustschlag-charakter“: direkt, spontan und so nah am Geschehen, dass man sich dem Bild kaum entziehen kann. Voy selbst versteht sich dabei nicht als unsichtbarer Beobachter. Er wird Teil der Situation – und genau daraus entsteht die eigentümliche Mischung aus Vertrautheit, Provokation und Intimität, die seine Fotografien auszeichnet. Ob ein Rockstar den Mittelfinger zeigt, eine Musikerin verschwitzt im Backstage sitzt kommt oder das Foto einen Berliner Nachtclub zeigt der längst verschwunden ist: Bei Voy wird der flüchtige Moment zum Beweisstück. Für einen Augenblick ist alles noch da. Der Schweiss. Der Lärm. Das Neonlicht. Die Musik. Die Pose. Der Absturz. Der Humor. Die Nacht.

 

Die Ausstellung versammelt Arbeiten aus verschiedenen Phasen seines Schaffens und schlägt einen Bogen von der Berliner Clubkultur über Musik- und Modefotografie bis zu seinen heutigen Künstler- und Prominentenporträts. Sie erzählt damit nicht nur die Geschichte eines Fotografen, sondern auch die Geschichte einer Stadt und ihrer Popkultur – einer Stadt, die so nicht mehr existiert deren Bilder aber weiterleben. Christoph Voy fotografiert, was passiert, bevor es zur Erinnerung wird. Und die Erinnerung sieht verdammt gut aus.

 

Mehr Informationen: https://christophvoy.cargo.site/