Heroes | Teil 1, Projekt "für Andy"


Der Aargauer Andy Hug (1964 - 2000) war nicht nur der erste nicht-asiatische Karate-Weltmeister und Thaibox-Champion, er wurde Mitte der 90er Jahre auch zur Ikone der neuen Kampfsportart K1. Andy Hug wurde 1996 K1-Weltmeister.


Andy Hug stammte aus ärmlichen Verhältnissen und wuchs bei seiner Grossmutter auf. Er arbeitete als Metzger, bevor er sich gegen viele Wiederstände an die internationale Spitze des Karate-, Kickbox-, Thaibox- und K1-Sports kämpfte. In Japan war er länst ein bewunderter Superstar und "weisser Samurai", als er in seiner Heimat langsam bekannter wurde. Seine Popularität in der Schweiz stieg vor allem mit den in Zürich und Basel veranstalteten K1 Nights.


Andy Hugs zurückhaltende, ruhige und freundliche Art brachte ihm auch ausser-halb der Kampfsportwelt viel Respekt und Sympathie ein. Er wollte sich nach seiner letzten K1-Weltmeisterschaft im Jahre 2000 in Japan aus dem Spitzensport zurückziehen und Kampfsportlehrer werden. Wenige Tage nach seinem Abschieds- kampf starb Andy Hug jedoch im August 2000 völlig überraschend an akuter Leukämie. Fast scheint es, als hätte er die Welt als Kämpfer und Samurai verlassen müssen.


Letztes Jahr habe ich - eher zufällig und im Sinne eines Expirements - zum ersten Mal mit einer filmischen Vorlage und mit Hilfe des Computers gearbeitet ("Space for Townes"). Daraus ist ein Projekt entstanden, das ich "Heroes" nenne und bei dem es mir darum geht, über einen unbestimmten Zeitraum hinweg Persönlichkeiten zu porträtieren, die Einfluss auf mein Leben hatten oder haben, die ich bewundere und denen ich gerne Raum geben möchte mit meiner Malerei.


Die Arbeiten, die bei diesem Projekt entstehen, stellen einen sehr persönlichen Blick auf die von mir gewählten "Heroes" dar, sind aber zugleich auch der Versuch, mich ganz in den Dienst der Personen - ihres Wesens, ihres Geistes - zu stellen.


Obwohl ich meine "Heroes" aus bennenbaren Gründen auswähle, versuche ich mich frei zu machen von meinem zum Teil selbstgeschaffenen Mythos um sie, und ein- zutauchen in die Atmosphäre, die mir aus den filmischen Dokumenten entgegen- kommt. Ich verstehe darum meine Malerei als eine Form von Uebersetzung. Farben, Pinselstrukturen, Kompositionen der Bilder sind das Bestreben, Ausschnitte aus Lebensgeschichten in Malerei zu verwandeln.


Meinen Zyklus beginne ich mit Andy Hug, dessen Leben mich sehr beeindruckte (ich übe selbst seit langem eine japanische Kampfsportart aus) und dessen früher und plötzlicher Tod mich bestürzte.


Für den Einstieg in das Projekt "Für Andy" waren Kontakte und Gespräche mit Andy Hugs ehemaligem Manager Thomas Kastl sehr wichtig


Verschiedene Filme - vorab Fritz Muris Dokumentarfilm "Andy Hug - Vom Rocky zum Samurai", diverse Wettkampfaufzeichnungen sowie ein japanischer Dokumentar- film - dienten mir als Ausgangslage.


Das Projekt "Für Andy" wird in seiner vorläufigen Gesamtheit erstmals im Januar 2005 bei der Galerie Guillaume Daeppen in Basel gezeigt.


Georgine Ingold, August 2004