Held der Ringe


Georgine Ingold malt Andy Hug
Eine Künstlerin outet sich als Fan des Boxsports: Georgine Ingold präsentiert bei Guillaume Daeppen ihre "Heroes"-Serie. Gaststar der ersten Runde ist Andy Hug.


Selbst wer sich in keiner Weise für Kampfsport interessierte, kannte sein Gesicht, seinen Schnauzer und die langen blonden Haare seiner Frau Ilona - spätestens zum Zeitpunkt seiner Beisetzung im Jahr 2000, als die Geschichte von Andy Hug ein letztes Mal über die TV-Bildschirme flimmerte.


Für Georgine Ingold war Andy Hug mehr als nur ein Gesicht aus der "Schweizer Illustrierten" und dem "Sportpanorama". Die Basler Künstlerin übt selbst seit Jahren eine japanische Kampfsportart aus. Ihr Interesse kommt also nicht von ungefähr.


Helden. Aus Ingolds Bilderserie um den Musiker Townes van Zandt entstand 2003 die Idee zu einer Heldenserie. Eher zufällig, wie die Malerin bemerkt, und angelegt auf unbestimmte Zeit. Andy Hug erhielt die Nummer eins. Doch Georgine Ingold hätte es zu einfach gefunden, ihrem Star lediglich einen Altar zu bauen. Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit bestand für sie darin, sich frei zu machen vom selbstkreierten Mythos und die filmischen Vorlagen, die sie benutzt, ungefiltert und mit jungfräulichem Blick zu betrachten.


Zu Andy Hug malte Ingold insgesamt drei Serien aus kleinformatigen Bildern. Während die zwei Ersten sich eher mit dem Privatleben des Boxchampions befassen, mit Trainingssequenzen oder Close-ups, beschreibt die Dritte einen einzigen Kickbox-Kampf. Dieser stellt nicht nur im Leben Hugs einen Höhepunkt dar, sondern ist von den drei Teilen auch am besten gelungen.


Pracht. Was in den ersten beiden Werkpartien noch etwas zögerlich erscheint - die Führung des Lichts beispielsweise - entfaltet hier seine volle Pracht. Ingolds expressiver Malstil, der aus einzelnen Farbfeldern und -punkten zusammengesetzt erst aus der Distanz zu einem realistischen Bild verschmilzt, passt sich der Dynamik und der Kraft der beiden kämpfenden Körper an.


Das gleissende Licht der Scheinwerfer wird von den schweissglänzenden Muskeln zurückgeworfen, der in der Konzentration auf den Kampf nicht mehr relevante Hintergrung verschwimmt zu einer undurchdringlichen blauen Masse.


Teil eins der "Heroes" findet damit ein gutes Ende. Weshalb wir gespannt sind, welche Figur uns die Künstlerin Ingold mit dem Sequel noch näher bringen wird.


Karen N. Gerig in Basler Zeitung vom 10. Februar 2005