Jugend forsch


Die Arbeiten auf Papier des jungen Jurassiers Damien Comment spiegeln in ihrer Unverbindlichkeit die Gefühlswelt der Adoleszenz.


Es ist die Welt der Teenager, die Welt des ersten Mals, der neuen Gefühle, der Aufregungen, des Experiments. Und es könnte die Welt der Hochglanzmagazine sein, wirkten die kolorierten Zeichnungen von Damien Comment (1977) nicht oft unfertig, skizzenhaft, flüchtig. Darin spiegelt sich die Unverbindlichkeit der Figuren, zugleich wird jeder dieser "Serial Kisser" zum Bildnis des Begehrens: Unverholen umkreisen die Arbeiten das Thema der homoerotischen Sexualität.


Bettrand. So erstaunlich die handwerkliche Reife, so gefährlich die einseitige Festlegung aufs Milieu. Denn hervorragend ist der Jurassier nicht in den expliziten Kuss- oder Bettrandszene. Sondern wenn er in die Grauzone der Andeutung vorstösst, wenn im Unklaren bleibt, ob es sich um Junge oder Mädchen, Bruderkuss oder Liebeswerben, Selbst- oder Fremdberührung handelt. Und wo er die jungen Seelen in ihrer Widersprüchlichkeit wunderbar respektvoll trifft. Manche sind mit Graphit oder Bleistift nur angetönt, verschwinden im Nichts, andere mit Acryl und Tusche ins Details ausgearbeitet.


Der Stil des Autodidakten erinnet an Elizabeth Peyton; es sind Serien und Kleinformate, nur wenige grosse Blätter: "Jardin public" ist so eines, eine Aktualisierung von Manets "Déjeuner sur l'herbe" - drei junge Menschen haben sich auf einer Decke auf der Wiese niedergelassen. Und würde sich am Horizont nicht die Silhouette eines nackten Mannes abzeichnen, es könnte eine beunruhigend gewöhnliche Szenerie aus einem Freibad sein.


Alexander Marzahn
in Basler Zeitung vom 22. März 2007